Als Microsoft in diesem Jahr ankündigte, Android-Apps auf Windows 10 Mobile lauffähig zu machen, schwankten die Reaktionen zwischen Begeisterung und Entsetzen. Nun zog man in Redmond die Notbremse – Project Astoria wird auf sich warten lassen.

Project Astoria sollte Android-Apps unter Windows 10 mobile ermöglichen
Project Astoria sollte Android-Apps unter Windows 10 mobile ermöglichen

Vier Brücken wollte Microsoft schlagen, um es Entwicklern anderer Plattformen zu erleichtern, Apps für seine „Universal Windows Platform“ in Windows 10 und Windows 10 Mobile zu entwickeln: Entwickler von Web-Apps sollen mit Project Westminster ins Boot geholt werden, Project Centennial erlaubt das verpacken klassischer Win32-Anwendungen für den Windows-Store, iOS-Apps sollen sich mit Project Islandwood für das neue Windows portieren lassen – mit dem Ergebnis einer nativen Windows-App. Einen anderen Weg sollte Project Astoria beschreiten: Mithilfe eines in Windows integrierten Android-Subsystems sollten Android-Apps ohne Anpassung unter Windows 10 Mobile lauffähig sein. Doch daraus wird erst mal nichts.

Wie Microsoft dem Magazin Re/code gegenüber mitteilte, kommt der Konzern mit dem Projekt nicht wie geplant voran. Der Konzernsprecher äußerte sich jedoch nicht, ob sich das Projekt nur verspätet, auf Eis liegt oder ob gar ganz der Stecker gezogen wurde. „Die Astoria-Bridge ist noch nicht fertig, aber andere Werkzeuge bieten großartige Optionen für Entwickler“, sagte der Sprecher und fügte hinzu, dass die Brücken zu Web-Apps und iOS fertig seien und die Brücke zu klassischen Win32-Apps bald kommen würde. „Wir halten daran fest, Entwicklern verschiedene Optionen anzubieten, damit sie ihre Apps auf die Windows-Plattform bringen können“, so Microsoft.

Es sind wohl technische Probleme, die zur Verzögerung der „Windows Bridge for Android“, wie Project Astoria mittlerweile offiziell heißt, führen. So wurde berichtet, dass die Android-Ebene im Windows-System dieses mit der Zeit sehr schwerfällig werden lässt. Auch wirtschaftliche Gründe könnten zum Aus von Astoria geführt haben. Wie Windows Central berichtet, haben an der Android-Brücke zeitweilig bis zu 80 Mitarbeiter gearbeitet. An Project Islandwood, der Brücke zu iOS-Apps, hingegen nur 5.

Die Ausführung von Android-Apps wäre eine effiziente Möglichkeit für Microsoft, die viel beschworene App-Lücke im eigenen Mobil-Betriebssystem zu schließen. Windows-Entwicklern hingegen war sie schon immer ein Dorn im Auge, denn schließlich lohnt sich die Entwicklung von Windows-Apps nicht mehr, wenn der Marktplatz plötzlich von Android-Apps überschwemmt wird. Doch womöglich wäre diese Rechnung auch gar nicht aufgegangen: Auch Blackberry hatte sich daran versucht, auf seinem Betriebssystem Blackberry 10 Android-Apps laufen zu lassen und stellte diese über den App-Store von Amazon zur Verfügung. Mit mäßigem Erfolg. Stattdessen haben die Kanadier mit dem Priv nun ein eigenes Android-Smartphone vorgestellt und planen mit dem „Vienna“ schon ein zweites Gerät auf Android-Basis.